Fake-Shop erkennen in 60 Sekunden: fünf Prüfungen vor dem Kauf
· 6 Min. Lesezeit · Wachsam-Redaktion
Sie suchen eine Spielkonsole, einen Rasenmäher oder Brennholz für den Winter und finden einen Shop, der deutlich günstiger ist als alle anderen. Die Seite sieht ordentlich aus, die Adresse endet auf .at, unten ist ein Gütesiegel. Ist das ein Glücksfall oder ein Fake-Shop?
Diese Frage lässt sich in den meisten Fällen in einer Minute beantworten. Nicht mit Bauchgefühl, sondern mit fünf Prüfungen, die jede und jeder machen kann. Sie brauchen dafür kein technisches Wissen, nur den Warenkorb, das Impressum und ein Prüfwerkzeug.
Warum Fake-Shops so echt aussehen
Ein Online-Shop ist heute schnell gebaut. Vorlagen gibt es fertig, Produktfotos werden kopiert, das Impressum stammt oft von einer echten Firma, die davon nichts weiß. Watchlist Internet beschreibt auch Shops mit funktionierenden Links und gestohlenen Firmendaten. Am Aussehen erkennen Sie einen Fake-Shop deshalb selten.
Was sich nicht so leicht fälschen lässt, ist der Weg, auf dem Ihr Geld den Shop erreicht. Darauf zielen die ersten Prüfungen.
Prüfung 1: Welche Zahlungsarten bleiben am Ende übrig?
Legen Sie einen Artikel in den Warenkorb und gehen Sie bis zur Auswahl der Zahlungsart. Bestellen müssen Sie dafür nicht.
Fake-Shops bieten laut Watchlist Internet meist nur Vorkasse an, also eine Überweisung, bevor die Ware kommt. Oft werden auf der Startseite Kreditkarte oder PayPal beworben, aber beim Bezahlen erscheint eine Fehlermeldung, oder es gibt plötzlich einen Rabatt für Überweisung.
Der Grund ist einfach: Bei einer Überweisung ist das Geld weg, sobald es angekommen ist. Bei Kreditkarte und beim Käuferschutz von Zahlungsdiensten gibt es Wege, eine Zahlung zurückzufordern. Ein Betrüger wählt den Weg ohne Rückweg.
Was Sie daraus machen: Bleibt bei einem Shop, den Sie nicht kennen, nur Vorkasse übrig, bestellen Sie nicht.
Prüfung 2: Passt der Preis zur Wirklichkeit?
Ein guter Preis ist kein Beweis für Betrug. Ein Preis weit unter dem, was alle anderen verlangen, ist aber ein Hinweis. Watchlist Internet nennt einen besonderen Fall: Wenn alle Produkte um denselben Prozentsatz reduziert sind, ist das ein Warnzeichen. Echte Händler reduzieren einzelne Artikel, nicht das ganze Sortiment um 45 Prozent.
Was Sie daraus machen: Vergleichen Sie den Preis mit zwei bekannten Händlern. Liegt er deutlich darunter, schauen Sie bei den nächsten drei Prüfungen besonders genau hin.
Prüfung 3: Lässt sich das Gütesiegel anklicken?
Gütesiegel sind ein echtes Qualitätsmerkmal, wenn sie echt sind. In Österreich gibt es etwa das Österreichische E-Commerce-Gütezeichen und Trustmark Austria, international Trusted Shops. Ein echtes Siegel führt beim Anklicken zum Zertifikat auf der Seite des Ausstellers.
In Fake-Shops sind Siegel laut Watchlist Internet oft nur als Bild eingebunden. Ein Klick führt nirgendwohin oder auf eine Seite des Shops selbst.
Was Sie daraus machen: Klicken Sie auf das Siegel. Landen Sie nicht beim Aussteller, suchen Sie den Shop direkt in dessen Verzeichnis, etwa unter guetezeichen.at.
Prüfung 4: Passt das Impressum zum Shop?
Ein Shop, der in Österreich verkauft, braucht ein Impressum mit Firmenname, Adresse und Kontakt. Fehlt es ganz, gilt laut Watchlist Internet: Finger weg.
Ist es da, schauen Sie, ob es zum Shop passt. Warnzeichen sind ein Firmenname, der mit dem Sortiment nichts zu tun hat, ein plötzlicher Wechsel der Sprache mitten im Impressum, oder eine Firma, die es zwar gibt, die aber ganz andere Dinge macht. Auch die Webadresse sollte passen: Wenn eine Adresse, die nach einem Verein klingt, Autozubehör verkauft, wurde die Domain vermutlich übernommen.
Ein verbreiteter Irrtum: Eine Adresse auf .at bedeutet, dass der Shop aus Österreich ist. Das stimmt nicht. Jede Person kann eine .at-Adresse registrieren, auch von außerhalb Österreichs.
Was Sie daraus machen: Lesen Sie das Impressum in zehn Sekunden quer. Passt etwas nicht zusammen, kaufen Sie woanders.
Prüfung 5: Was sagt der Shop-Check?
Für die letzte Prüfung gibt es ein Werkzeug aus Österreich. Der Fake-Shop Detector, entwickelt vom AIT Austrian Institute of Technology, dem ÖIAT und X-Net, vergleicht eine Shop-Adresse mit einer Datenbank bekannter Fake-Shops und analysiert unbekannte Shops automatisch. Das Ergebnis ist eine Ampel: rot heißt hohes Risiko, gelb unklar, grün geringes Risiko.
Sie können ihn auf drei Wegen nutzen: als Erweiterung für den Browser am Computer, über den Shop-Check auf fakeshop.at oder in der App von Watchlist Internet am Handy. Dort kopieren Sie die Adresse des Shops in das Suchfeld.
Watchlist Internet führt außerdem eine öffentliche Liste betrügerischer Shops und eine Liste problematischer Shops.
Was Sie daraus machen: Ist das Ergebnis rot oder gelb, und ist bei Prüfung 1 bis 4 etwas aufgefallen, bestellen Sie nicht.
Was keine Prüfung ist
Drei Dinge sehen nach Sicherheit aus, sagen aber wenig:
- Das Schloss in der Adresszeile. Es bedeutet, dass die Verbindung verschlüsselt ist. Auch Fake-Shops haben das.
- Werbung in sozialen Netzwerken. Dass ein Shop Anzeigen schaltet, heißt nicht, dass jemand ihn geprüft hat. Watchlist Internet weist ausdrücklich darauf hin.
- Gute Bewertungen auf der Seite selbst. Die schreibt der Betreiber.
Wenn Sie schon bestellt haben
Das kann jedem passieren, auch Menschen, die sich auskennen. Wichtig ist, schnell zu handeln. Watchlist Internet rät zu diesen Schritten:
- Den Shop schriftlich kontaktieren und vom Vertrag zurücktreten. Eine Antwort kommt selten, aber viele Zahlungsdienste verlangen diesen Nachweis, bevor sie eine Rückbuchung prüfen.
- Bei Überweisung sofort die eigene Bank anrufen und fragen, ob die Zahlung zurückgeholt werden kann. Je früher, desto besser die Aussichten.
- Bei Kreditkarte den Kartenanbieter kontaktieren, die Lage schildern, eine Rückerstattung verlangen und die Karte gegebenenfalls sperren lassen.
- Bei Zahlungsdiensten mit Käuferschutz dort einen Fall eröffnen.
- Anzeige erstatten bei jeder Polizeidienststelle, mit Ausweis und allen Unterlagen. Die Meldestelle für Internetkriminalität im Bundeskriminalamt nimmt zusätzlich Hinweise an, eine Meldung dort ersetzt aber keine Anzeige.
- Den Shop melden, etwa über das Formular von Watchlist Internet, damit andere gewarnt werden.
Bei Streit mit einem echten Händler, etwa wegen einer Rücksendung, hilft die Internet Ombudsstelle kostenlos mit Beratung und Schlichtung. Mit betrügerischen Shops schlichtet sie nicht, sie sagt Ihnen aber, an wen Sie sich wenden können.
Warum Üben hilft
Die fünf Prüfungen sind einfach. Schwierig ist, an sie zu denken, wenn das Angebot gut ist und die Zeit knapp. Dann entscheidet das Gefühl, nicht das Wissen. Was hilft, ist Übung mit Situationen, die echt wirken, bevor es um echtes Geld geht.
Checkliste vor jedem Kauf in einem unbekannten Shop
- Bleibt beim Bezahlen mehr als Vorkasse übrig?
- Liegt der Preis im Rahmen dessen, was bekannte Händler verlangen?
- Führt das Gütesiegel zum Zertifikat beim Aussteller?
- Gibt es ein Impressum, und passt es zu Shop und Sortiment?
- Zeigt der Shop-Check auf fakeshop.at oder in der Watchlist-App grün?
Wenn Sie zwei dieser Fragen mit Nein beantworten, kaufen Sie woanders.
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